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Reformer: Dissens mit Rom darf Synodale Weg nicht stoppen

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Fulda/München, 18.09.2019, 11:15 Uhr
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Fulda/München [ENA] Katholische Laien und Reformer haben an die deutschen Bischöfe appelliert, der beschlossene Synodale Weg dürfe nicht am Dissens mit dem Vatikan und innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) scheitern, bevor er begonnen habe. Ab Montag berät die Herbst-Vollversammlung der Bischöfe die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals und “eine Neuordnung der materiellen Anerkennung erlittenen Leids”.

An der viertägigen Sitzung des höchsten Gremiums der katholischen Kirche in Deutschland nehmen 69 Mitglieder unter Leitung des Vorsitzenden, Kardinal Reinhard Marx, teil. Der Vatikan wird vom Apostolischen Nuntius, Erzbischof Nikola Eterović, vertreten. Marx wollte in Rom noch vor der Vollversammlung “etwaige Missverständnisse” zum Synodalen Weg ausräumen. Die Kritik des Vatikans am geplanten deutschen Vorgehen hatte er zurückgewiesen. Nach dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), das gemeinsam mit den Bischöfen Lehren aus dem Skandal ziehen und Vertrauen in die Kirche zurückgewinnen will, hatte die Reformgruppe Wir sind Kirche dazu aufgerufen, am Synodalen Weg festzuhalten.

Die Reformer meldeten sich am Mittwoch in einem Eilbrief an den Episkopat zu Wort, weil es zum Synodalen Weg “so viel Zwiespalt” gebe. Der Dissens innerhalb der Bischofskonferenz und das Schreiben der Kongregation für die Bischöfe dürften nicht dazu führen, dass der Synodale Weg gestoppt werde. Die Ortskirchen als Teilkirchen zu bezeichnen dürfe nicht dazu führen, die Bischöfe “nur als Abteilungsleiter des Papstes und Vollziehungsgehilfen kurialer Anweisungen” zu verstehen. Weltkirche dürfe nicht gegen Ortskirchen ausgespielt werden; es dürfe kein Platz für Angst sein, schrieb Wir sind Kirche. Der Synodale Weg will die Themen Macht des Klerus, Sexualmoral, Zölibat sowie die Rolle von Frauen in kirchlichen Ämtern auf Reformen hin prüfen.

ZdK-Präsident Thomas Sternberg hatte angesichts der Intervention Roms bekräftigt, seine Organisation wolle an ihrem Vorhaben, gemeinsam mit der Deutschen Bischofskonferenz einen Synodalen Weg “in der vorgesehenen Form und zu den vorgesehenen Themenstellungen” zu gehen, “ganz entschieden festhalten”. Mit ihrem Eilbrief an die Bischöfe wollte auch Wir sind Kirche die große Mehrheit der Bischöfe unterstützen, denn die Reformer sähen den Synodalen Weg als “wohl letzte Chance, die existenzielle Krise der römisch-katholischen Kirche in Deutschland zu überwinden und damit auch positive Impulse für die Weltkirche zu geben”.

Die DBK teilte mit, ein Jahr nach der Veröffentlichung der Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ (MHG-Studie) stünden im Mittelpunkt der Beratungen ihrer Vollversammlung die Vorbereitungen des von den Bischöfen beschlossenen Synodalen Weges. In diesem Zusammenhang erörtere die DBK “inhaltliche Aspekte des Briefes von Papst Franziskus an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland vom 29. Juni 2019”. Ausserdem werde erneut über den Stand der Arbeiten von Aufklärung und Aufarbeitung berichtet. Dazu gehörten auch Fragen einer “Neuordnung der materiellen Anerkennung erlittenen Leids”.

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