Freitag, 18.10.2019 03:19 Uhr

Verdacht auf Missbrauch: Stadtdechant von Amt entbunden

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Köln, 19.09.2019, 07:28 Uhr
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Köln [ENA] Entgegen den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hat Erzbischof Rainer Maria Woelki Monsignore Ulrich Hennes wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als Stadtdechant in Düsseldorf entbunden. Die Kölner Kurie teilte mit, sie habe gegen Hennes zugleich ein Verfahren zur Amtsenthebung als Pfarrer eingeleitet. Bis zum Abschluss dieses Verfahrens bleibe Hennes beurlaubt.

Wie Generalvikar Markus Hofmann nach Abschluss der kirchenrechtlichen Vorprüfung erklärte, liegen gegen Hennes “glaubwürdige Berichte vor, die das Vertrauen in den Priester nachhaltig erschüttern und eine Amtsenthebung durch den Erzbischof zwingend notwendig machen”. Danach soll Hennes an einem damals 20 Jahre alten Mann, der sich in einem seelsorglichen Gespräch ratsuchend an ihn gewandt hatte, sexuelle Handlungen vorgenommen haben. Laut Kurie hatte die Staatsanwaltschaft das Vorliegen einer Straftat ausgeschlossen, weil der Mann zum Zeitpunkt des angegebenen Vorfalls volljährig gewesen sei und verneint habe, dass die sexuellen Handlungen gegen seinen ausdrücklichen Willen stattgefunden hätten.

Dem Leiter der Hauptabteilung Seelsorge-Personal, Pfarrer Mike Kolb, zufolge stellt das geschilderte Verhalten von Hennes dennoch “ein schweres Vergehen” dar, denn er habe das besondere Vertrauen, das ihm als Priester entgegengebracht worden sei, für seine Interessen ausgenutzt. Im Vorfeld des ersten seelsorglichen Kontaktes habe Hennes von “den homosexuellen Neigungen des jungen Mannes” erfahren. Hennes bestreite jedoch, dass es zu sexuellen Handlungen gekommen sei. Die Verantwortlichen des Erzbistums und der Generalvikar halten die Aussage des Betroffenen gleichwohl für glaubwürdig, zumal er eine eidesstattliche Versicherung abgegeben habe.

Ausserdem habe er fünf Personen benennen können, denen er in zeitlicher Nähe zum damaligen Geschehen “von der für ihn verstörenden Begegnung mit dem Priester” berichtet habe. Alle fünf genannten Personen hätten die Aussagen des Betroffenen bestätigt und ihrerseits eidesstattliche Versicherungen unterschrieben. Kardinal Woelki erklärte, es sei wichtig, dass “wir jeden Hinweis ernst nehmen und den Betroffenen Glauben schenken”. Im vorliegenden Fall müssen wir davon ausgegangen werden, “dass ein Priester die seelsorgliche Notlage eines jungen Mannes sexuell ausgenutzt” habe. Vor diesem Hintergrund sei das Vertrauen in Monsignore Hennes “tief erschüttert“, so der Erzbischof.

Gegen eine Entscheidung zur Amtsenthebung könne Hennes Berufung einlegen; damit würde der Fall an die zuständigen Stellen in Rom verwiesen. Für die Dauer des Berufungsverfahrens bliebe die Beurlaubung wirksam. Erzbischof Woelki hatte Hennes am 19. März zunächst beurlaubt und alle Hinweise an die zuständige Staatsanwaltschaft weitergegeben. Erst nach Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen habe im Juni die kirchen- und disziplinarrechtliche Vorprüfung des Falles beginnen können. Damals hatte Hennes’ Anwalt Peter Schnatenberg Medienberichten zufolge erklärt, die Einstellung des Verfahrens käme einem Freispruch erster Klasse gleich. Zugleich habe Schnatenberg die vollständige Rehabilitierung seines Mandanten gefordert.

In Fulda wird sich die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) ab Montag, ein Jahr nach der Veröffentlichung der Studie “Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ (MHG-Studie), erneut mit dem Missbrauchsskandal befassen. Im Mittelpunkt der Beratungen ihrer Vollversammlung stünden die Vorbereitungen des von den Bischöfen beschlossenen Synodalen Wegs zur Aufklärung und Aufarbeitung der Vorgänge. Dazu gehörten auch Fragen einer “Neuordnung der materiellen Anerkennung erlittenen Leids”, teilte die DBK mit.

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