Freitag, 18.10.2019 04:25 Uhr

Urban Exploring

Verantwortlicher Autor: Thomas Holland Düsseldorf, 24.08.2019, 13:18 Uhr
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Düsseldorf [ENA] In letzter Zeit hört man den Begriff „Urban Exploring“ oder seine Kurzform „Urbex“ immer wieder. Was ist damit gemeint und was kann man sich darunter vorstellen? Frei übersetzt bedeutet es „Städtischer Erkunder“, was allerdings etwas verwirrend ist. Denn Urban Exploring ist mehr als Erkunden. Es ist forschen, fotografieren und erkunden. Ehemalige Stahlwerke in Belgien, Chateaus in Frankreich......

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Ehemalige Stahlwerke in Belgien, Chateaus in Frankreich, Ferienheime in Ostdeutschland, Manicomios in Italien oder Industrieruinen im Ruhrgebiet sind nur einige der Ziele die Urban Explorer suchen und besuchen. Für die meisten Urban Explorer liegt die Motivation neben der Entdeckung und Dokumentation der Objekte in der Ästhetik und Romantik, die jene Orte mit sich bringen, sowie im Erlebnis einer authentisch-historischen Atmosphäre. Zudem werden die eintretende Verwilderung und der Verfall nach dem Verlassen ehemals genutzter Anlagen und strukturierter Betriebe sowie der Kontrast zu moderner städtebaulicher Investition und Ordnung als entspannende und befreiende Zivilisationsflucht beschrieben.

Der Großteil der Urban Explorer hält diese Eindrücke auf Fotos fest, wobei zum Teil surreale Arbeiten entstehen. Neben der Fotografie und der Erkundung selbst gehen Urban Explorer, je nach persönlichem Interesse, auch historischen Recherchen nach, legen Online-Dokumentationen zu Anlagen an, die vom Verschwinden oder vom völligen Verfall bedroht sind. Der Einstieg in stillgelegte und verlassene Gebäude gehört zu der häufigsten Form von Urban Exploration. Meist handelt es sich dabei um alte Industriebauten, aber auch um ehemalige öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Schulen, die häufig intensiv mit Graffiti besprüht und teilweise stark demoliert wurden, sowie intensive Verwitterungserscheinungen aufweisen.

Im Gegensatz zu bekannten, unterirdischen Katakomben, die häufig touristische Ziele sind, werden sie überwiegend von Einheimischen betreten. Während viele Gebäude nur einfach oder teilweise verschlossen und somit leicht zugänglich sind, können andere Einrichtungen aufgrund von Bewegungsmeldern, Sicherheitspersonal oder Wachhunden nur sehr erschwert betreten werden. Verlassene Gebäude werden vor allem gern von Fotografen, Graffiti-Künstlern und aus historischem Interesse besucht.

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Da es nicht viele Grundstücksverwalter gibt, die Verständnis für Urban Explorer aufbringen können, und Sondergenehmigungen nur äußerst schwierig zu bekommen sind, betreiben viele ihr Hobby ohne die nötigen Genehmigungen. Deshalb ist Urban Exploration meistens Hausfriedensbruch der aber nur auf Antrag des Besitzers verfolgt wird. Es geht Urban Explorern nicht darum, Dinge zu zerstören, zu stehlen oder anderweitig dem Grundstück oder Gebäude und der noch vorhandenen Einrichtung Schaden zuzufügen, sondern um die fotografische und geschichtliche Dokumentation.

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Menschen, die aus Zerstörungswut Industrieruinen aufsuchen, oder Kupferdiebe, die noch vorhandene Materialien und Kupferleitungen entwenden und verkaufen, werden nicht unter dem Begriff Urban Explorer erfasst und von der Szene abgelehnt. Das ist auch einer der Gründe weshalb die Szene sehr verschlossen ist. Natürlich werden die Bilder in den Sozialen Medien oder auch in Foren veröffentlich und auch die Geschichte dazu geschrieben. Allerdings ist es verpönt Adressen oder sonstige Hinweise auf den Ort zu veröffentlichen. Da bekommen die Orte dann auch schon mal skurile Namen wie Dr. Wackelzahn, Chateau Alchimisti, Lost Skate oder Scoula Marco Polo um zu verschleiern wo sie sich befinden.

Neben langer und umfangreicher Recherche wird sich natürlich auch in der Szene ausgetauscht und man begibt sich gemeinsam auf Erkundung. Immer getreu dem Motto: „Take nothing but pictures, leave nothing but footprints”. An diesen Kodex halten sich die meisten Urbexer, allerdings gibt es auch hier schwarze Schafe, sowie Kabeldiebe, Vandalen und auch Antiquitätenhändler die gerne mal Gebäude ausräumen. Natürlich gibt es auch Vereine und Unternehmen die geführte Touren in verlassenen Orten anbieten. Auch hierfür gibt es eine breite Masse an Publikum die solche Orte gerne risikolos erkundet. Mit der urbEXPO gibt es inzwischen eine Ausstellung die sich nur mit diesem Thema befasst und jedes Jahr in Bochum stattfindet.

Wenn man sich mal bei Facebook oder Instagram umschaut, wird man einige Seiten finden, die sich mit der Schönheit des Verfalls beschäftigen und auch entsprechende Bilder veröffentlichen.

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